Navigation

Liebe Gemeinde,

„Was rufst du um Hilfe, Törichter? Ich helfe dir nicht. Du hast dir selbst geholfen.“ – So beginnt Carl Amery‘s „Wort des Abwesenden Gottes“; geschrieben 1972(!) und heute aktueller, denn je. In Form einer Gottesrede rechnet der streitbare Schriftsteller mit der weit verbreiteten Mentalität ab, die Schöpfung in einem falsch verstandenen „Macht euch die Erde untertan“ gnadenlos auszubeuten.

Schon damals waren die Folgen unübersehbar. Um Gehör zu finden, um aufzurütteln, lässt Amery Gott deshalb ganz drastisch sprechen: „Solange du gefressen wurdest, hast du die Welt des Fressens und Gefressenwerdens unerträglich gefunden. Nun frisst du selbst, frisst und frisst, und schreist darüber, dass du nun vielleicht doch gefressen wirst.“

Viel hat sich in den letzten Jahrzehnten getan; viel Gutes im Umgang mit den Ressourcen und Lebensgrundlagen für Mensch und Natur. Aber es ist zu wenig, um unseren Planeten zu retten; zumindest als Heim- und Wohnstätte des Menschen. Und nun? Was sollen wir tun? Umkehren! – Ich höre schon den Einwand „Ja, aber wir sind da doch die falsche Adresse. Die Dreckschleudern der Großindustrie, die stehen in China und sonstwo auf der Welt. Die Leute, die unverantwortliche Entscheidungen treffen, die sitzen doch im Weißen Haus und im Kreml. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ –Im Evangelium des dritten Fastensonntags aber macht Jesus klar, dass es eben nicht nur „die anderen“ sind, die der Umkehr bedürfen, sondern wir alle. Sicher, sein Ruf zur Umkehr ergeht hier in einem ganz anderen Zusammenhang. Aber immer geht es doch darum, wie wir unsere – von Gott gegebene – Freiheit gebrauchen. Deshalb: Auf seine grenzenlose Liebe zu setzen, das ist nicht falsch; ganz im Gegenteil. Wer sich von ihm geliebt weiß, verliert die Angst, zu kurz zu kommen, und kann sich die Freiheit nehmen, „um der anderen willen“ umzukehren; auch wo es zunächst einschränkt und wehtut.

So schließt auch das „Wort des Abwesenden Gottes“ nicht ohne Hoffnung: „Er [der Sohn] hat dir ein Beispiel gegeben, dass du tust, wie Er getan hat, geh hin, gib deine Untertanen frei und diene, wie Er gedient hat: Diene deinen Brüdern und Schwestern Sonne, Mond, Ochs, Esel, Schimpansen, Ameisen, Bäumen, Regen und Tau. Wen habe Ich je erwählt, den anderes erwartet hat als dienen? Gedenk, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst. Dann – kannst du Mein Sohn sein.“

Diesmal ausdrücklich verbunden mit der Bitte um Rückmeldung, grüßt Sie herzlich,
Diakon Gerd Klein

Zu den Pfarrnachrichten ...