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Liebe Gemeinde,

„Der sieht aus, wie ein alter Wikingerkönig!“ meinte vor einiger Zeit der Vater eines Täuflings mit Blick auf die große Christusdarstellung in der Apsis der St. Severin Kirche in Mehlem. Leider hatte ich später keine Gelegenheit mehr, ihn zu fragen, welche Vorstellungen er denn mit diesem Bild vom König Jesus Christus verbindet.

Zugegeben, ich tue mich schwer damit und finde es selber merkwürdig, dass mich dennoch das Hochfest Christkönig jedes Jahr neu in seinen Bann zieht. Ziemlich widersprüchlich; finden Sie nicht? Wie geht es Ihnen denn mit diesem Fest, das wir jetzt am letzten Sonntag im Kirchenjahr feiern?

Aus der Geschichte wissen wir: In der Nazizeit waren es gerade junge Katholiken, die bei den Feiern an diesem Tag ein Zeichen gegen den Führerkult setzen konnten. „Wir gehören zu Christus, und er ist es, dem wir folgen.“ Am Christkönigsfest war es damals möglich, dieses Bekenntnis gegen den Allmachtsanspruch der Diktatur öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Und heute?

Von einer vergleichbaren Diktatur kann in unseren Tagen zum Glück keine Rede sein. Aber Bedrohungen und kaum zu durchschauende Mächte, denen das gesellschaftliche und auch unser persönliches Leben ausgesetzt sind, die kennen wir zu genüge: die drohende Klimakatastrophe, die zunehmende Radikalisierung der Politik, die fortschreitende „Verdunstung“ des Glaubens usw. – Dem dürfen wir uns nicht ergeben und resignieren! Deshalb finde ich es ungemein tröstlich, aufrichtend und ermutigend, wessen wir uns am „stillen Hochfest“ Christkönig vergewissern: Wie schlimm die Nachrichten angesichts der Übel in der Welt oder im eigen Leben ausschauen oder werden mögen, eines ist doch gewiss: Im Letzten ist die Welt und ist auch mein eigenes Leben „in Christus“; von ihm umfangen, von ihm her kommend und auf ihn hin gehend. Er wird es auch einmal „ins Rechte rücken“.

Deshalb freue ich mich schon jetzt besonders auf eines der Lieder, die wir am Sonntag singen werden. Seine getragene Melodie und die sprachlich klaren Verse geben unserer Zuversicht im Blick auf Christus, den „Allherrscher“, einen wunderbaren Ausdruck: „Das All durchtönt ein mächt‘ger Ruf: ,Christ A und O der Welten!‘ Das Wort, das sie zu Anfang schuf, wird bis ans Ende gelten. Christkönig, alleluja, alleluja. Auch jeder Menschenseele Los fällt, Herr, von deinen Händen, und was da birgt der Zeiten Schoß, du lenkst es aller Enden. Christkönig, alleluja, alleluja.“

Ein besinnlich-schönes Christkönigsfest und eine gute neue Woche wünscht Ihnen,
Diakon Gerd Klein

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