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Liebe Gemeinde,

an diesem Sonntag geht es um die Berufung der ersten Jünger. Und darüber hinaus auch um unsere Berufung. Wie erfolgte die Berufung? „Jesus … sah zwei Brüder, Simon … und Andreas.“ „Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder“. Und da Jesus lebt, sieht er immer noch. Er sieht auch mich, und zwar jetzt. Niemals falle ich aus seiner liebevollen Aufmerksamkeit heraus.

Liebevoll? Ja, denn bei einer anderen Berufung wird hinzugefügt, wie Jesus uns anschaut: „Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte …“ (Mk 10,21). Ich darf mich jetzt von Jesus lieben lassen, indem ich mir bewusst werde, dass seine Augen liebevoll auf mir ruhen. Seine Liebe strömt in mein Herz hinein. Ich lasse sie weiterströmen zu meinem Nächsten. Das ist christliche Nächstenliebe: den Nächsten lieben mit der Liebe Christi.

Wann erfolgt die Berufung? „Sie warfen ihre Netze in den See …“ „Sie … richteten ihre Netze her“. Sie sind mitten in ihrer Arbeit, als Jesus sie ruft. Ungelegener kann es nicht kommen. Warum hat er nicht einen besseren Zeitpunkt gewählt? Z.B. den Sabbat? Weil es Gott ist, der ruft. Bei ihm gibt es kein gelegen oder ungelegen.

Was bedeutet Berufung? Jesus ruft in die Nachfolge, damit wir unser ganzes Leben mit ihm teilen. Er ruft niemals nur, damit wir etwas tun in der Kirche oder in der Gesellschaft, sondern an erster Stelle, damit wir bei ihm sind: „Er setzte zwölf ein, die er bei sich haben wollte“ (Mk 3,14). Jesus ruft jede und jeden in die Gemeinschaft mit ihm. Jede und jeder gehört wirklich dazu wie zu einer Familie.

Fühle ich mich gerufen? Fühle ich mich zu ihm gehörig? Bei den ersten Jüngern heißt es: „Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm …“ Warum geschieht dies so nicht bei jedem Menschen? Auch nicht bei uns? Was ist daran so schwer? Warum hängt unser Herz so sehr an dieser Welt? Weil sie sichtbar vor uns ist. Weil Menschen und Dinge mich berühren, mich einnehmen. Es ist wie mit dem Schatz im Acker und der kostbaren Perle. Erst als sie gesehen wurden, verkauften sie alles, um sie zu gewinnen.

Wie kommen wir weiter? Zunächst mit dem Wort: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglaube!“ (Mk 9,24) Irgendetwas ahnen wir ja wohl doch von Schatz und Perle, von Jesu liebevoller Aufmerksamkeit. Also müssen wir bitten. Immerfort müssen wir bitten, dass Jesus uns das Herz anrühre.

Pfarrvikar Wolfgang Biedaßek

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