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Liebe Gemeinde,

in der Zeit in der Matthäus sein Evangelium aufschrieb, taten religiöse Missionare gut daran, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, das konnte als Christ unangenehm enden. Matthäus wusste das und auch, dass manche Christen ihren Glauben daher lieber heimlich lebten. Das wiederum passte nicht in seine Vorstellung von christlicher Nachfolge.

Matthäus überlegte nun, was von dem, was er von Jesus verstanden hat, er seinen Mitchristen in diesen rauen Zeit mit geben wollte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.“ Mt10.28.

Das hat auf den ersten Blick mehr mit einem Gruselbuch, als mit dem „wir sind Gottes geliebte Kinder Glauben“ zu tun. Da fällt mir eine Vorlesung in Moraltheologie ein, die liegt schon viele Jahre zurück. Es ging um das Thema Gewalt. Unser Professor erklärte, dass derjenige der oben steht, schlägt und tritt mehr zu verlieren hat, als derjenige der geschlagen und getreten wird. Der schlecht Handelnde verliert in dem Moment der Handlung also viel mehr als sein Gegenüber, nämlich seine Würde, seine Menschlichkeit.

Wir, damals Anfang 20, waren empört und haben lange auf der Rückfahrt im Zug darüber diskutiert. Was hat das Opfer von so einer Haltung? Rein gar nichts.

Jahre später habe ich eine Idee davon bekommen, was gemeint war. Diesen Text lesend, fiel es mir wieder ein. Es geht dabei um unsere äußere und unsere innere Existenz. Damit sind unser Leib und unsere Seele gemeint. Wir sollen uns nicht vor denen fürchten, die „nur“ unsere äußere Existenz, also den Leib zerstören können. Wir sollen uns vielmehr vor dem fürchten, der unsere innere und äußere Existenz zerstören kann. Es geht hier nicht um den Teufel, sondern um Gott. Für die Christen damals war es ein Trost, zu wissen, das Gott die letzte und entscheidende Instanz ist.

Der Leib war schon immer verletzbar. Das Wichtigste im Leben ist aber nicht, dass unsere Leib unversehrt bleibt, dass uns also alles erspart bleibt, sondern das Wichtige ist, dass die innere Existenz, durch nichts und niemand zerstört werden kann. Das soll jetzt nicht heißen, sich bewusst in existentielle Gefahren zu begeben. Aber es soll uns einen Weg weisen, unserer inneren Existenz Aufmerksamkeit zu schenken und sie zu achten. Denn die ist es, auf die es ankommt und ankommen wird.

Gemeindereferentin Anne-Kristin Graumann

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