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Neue Herausforderungen für den Runden Tisch

Kloster Maihingen © Alois Sattlecker, pfarrbriefservice.de

Schwerpunkte der nächsten Monate

Dass zurzeit wenige neue Flüchtlinge nach Bonn kommen, bedeutet für den „Runden Tisch Flüchtlingshilfe Bad Godesberg“ zwar eine Atempause, aber keineswegs weniger Arbeit. Das konnte man auf der letzten Sitzung des Runden Tischs erfahren, auf der die Akteure eine umfangreiche Bestandsaufnahme ihrer Aktivitäten vornahmen.

„Das Feld zieht sich auseinander“, fasst Dechant Dr. Wolfgang Picken, Gründer und Moderator des Runden Tischs, die Eindrücke zusammen. „Einige Flüchtlinge sind schon sehr weit. Sie haben ihr Asylverfahren abgeschlossen, eine Wohnung gefunden, schon gut Deutsch gelernt und eine realistische Perspektive für den Einstieg in den Arbeitsmarkt entwickelt.“ Hier seien viele neue Themen und Herausforderungen für die Arbeit der Akteure am Runden Tisch dazugekommen, zum Beispiel die Berufsberatung und die Vermittlung von Praktika. „Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Flüchtlinge, denen der Spracherwerb sehr schwer fällt und die noch weit davon entfernt sind, auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Hier gilt es, ihre Motivation zu stärken und einen Rückzug in eine Parallelgesellschaft zu verhindern.“ Es kommen also eher neue Aufgaben dazu, während kaum Aufgaben wegfallen.

Der Runde Tisch begrüßte die Bemühungen der Stadt, die Unterbringungssituation der Flüchtlinge weiter zu verbessern. Die neuen Unterkünfte in der Riemenschneiderstraße und der Karl-Finkelnburg-Straße sind gut angelaufen. Gleichzeitig sollen bis Ende des Jahres die ersten Unterkünfte in Bad Godesberg schon wieder geschlossen werden, wie Nils Reinartz vom Amt für Soziales und Wohnen ankündigte. Dazu gehören unter anderem die Michaelschule sowie Unterbringungen in Hotels. Dadurch soll vor allem eine ausgeglichenere Verteilung der Flüchtlinge auf die Stadtteile erreicht werden und der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung wieder auf dem Stadtdurchschnitt von 1% angenähert werden, erklärte Reinartz. Allerdings räumte er ein, dass die Zahl der Flüchtlinge mit der Eröffnung der neuen großen Unterkunft an der Koblenzer Straße Anfang nächsten Jahres wieder ansteigen werde, jedoch nicht über den heutigen Stand.

Dass die materielle Versorgung der Flüchtlinge inzwischen recht gut gelinge, sei jedoch kein Grund sich nun zurückzulehnen, mahnte Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn. „Integration ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die jeden angeht.“ Frau Manemann wies auch auf anstehende Herausforderungen durch den erwarteten Abschluss vieler Asylverfahren hin. Gemäß den bisherigen durchschnittlichen Anerkennungsquoten rechnet die Stadt damit, dass demnächst bis zu 600 Flüchtlinge einen Ablehnungsbescheid erhalten. „Das wird natürlich auch eine Menge Frust und Enttäuschung hervorrufen“, so Manemann. Diesem Thema will sich der Runde Tisch in seiner nächsten Sitzung besonders annehmen, und zum Beispiel über Möglichkeiten der Begleitung von ausreisepflichtigen Flüchtlingen beraten. Immer wieder regt sich bei Flüchtlingen auch Unmut darüber von „nur“ subsidiären Schutz zuerkannt zu bekommen, der zum Beispiel einen Familiennachzug ausschließt. Ein weiterer Grund für schlechte Stimmung könnten zu hohe Erwartungen an das Leben in Deutschland sein, die enttäuscht werden müssten.

Es bestand unter den Akteuren Einigkeit darüber, dass der bisherige Schwerpunkt Spracherwerb ergänzt werden muss durch den Schwerpunkt der Integration auf den Arbeitsmarkt. Der Runde Tisch plant deshalb gemeinsam mit der KAUSA Servicestelle Bonn/Rhein-Sieg eine Informationsveranstaltung für Unternehmer, die über die verschiedenen Möglichkeiten der Beschäftigung von Flüchtlingen informieren sowie Godesberger Unternehmer mit den Akteuren am Runden Tisch vernetzen soll. Benjamin Kalkum, Koordinator des Runden Tischs, erhofft sich viel von der Veranstaltung: „Wir sehen, dass viele Flüchtlinge große Schwierigkeiten beim Erlernen der Sprache haben. Sie bemühen sich, aber viele sind nur wenige Jahre zur Schule gegangen. Sie brauchen einen praktischeren Ansatz als nur theoretischen Unterricht.“ Dieser könne zum Beispiel in Praktika oder Hospitationen bestehen.

Auf der Sitzung wurde aber auch über Fragen der Gesundheit gesprochen. „Ein Thema, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird“, findet Kalkum. „Es gibt vor allem im Bereich der Prävention noch riesigen Bedarf. Alles was da jetzt nicht geschieht holt uns später wieder ein.“ Zum Beispiel informierten zwei Vertreterinnen des PädPat Projekts über ihr Netzwerk von Kinderärzten, die sich vor allem um einen vollständigen Impfschutz der Flüchtlingskinder bemühen. Daneben stellte Frau Ligita Werth vom Sozialpsychiatrischen Kompetenzzentrum Migration (SpKoM) die Petition des Arbeitskreises Migration und Psychiatrie vor, die eine bessere Regelung für die Übernahme von Dolmetscherkosten bei der Therapie von traumatisierten Flüchtlingen fordert. Der Runde Tisch unterstützt diese Forderung. Eine erfreuliche Nachricht ist auch die Eröffnung eines psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge in Bonn durch die Caritas. „Es ist viel in Bewegung“, freut sich Kalkum. „So kann es weitergehen.“

Für Rückfragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Benjamin Kalkum, Koordinator
Tel.: 0228 538813-20, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kontakt:

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Byloss Youkhanna

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